Schnipsel 3

Wir meinen, daß dieser Gedenkort um eine zeitgemäße Neugestaltung nicht herumkommen wird.
Der Text ist auf dem mamorierten Stein schwer zu lesen und würde heute wohl auch anders formuliert werden. So halten wir es in diesem Zusammenhang für problematisch, mit aktuellem Wissensstand unreflektiert von der „Reichskristallnacht“ zu sprechen und es scheint uns zumindest für hinterfragenswert, ob an den Ereignissen der Novemberpogrome in Mariahilf wirklich nur Nationalsozialisten beteiligt waren, wie der Inhalt der Gedenktafel vermittelt.

Avraham Barkai 1988: „‚Kristallnacht‘! Das funkelt, blitzt und glitzert wie bei einem Fest! Es wäre längst Zeit, daß diese böswillig-verharmlosende Bezeichnung zumindest aus der Geschichtsschreibung verschwände.“ zitiert in: Walter H. Pehle (Hrsg.): Der Judenpogrom 1938: Von der „Reichskristallnacht“ zum Völkermord. Frankfurt am Main 1988, S. 113

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2 Antworten to “Schnipsel 3”

  1. Sonja Regenfelder Says:

    Ja,mit dem Wort Reichskristallnacht gehört aufgeräumt,es ist genauwie oben beschrieben irreführend und weist in keiner Art darauf hin,was eigentlich passierte und welches Ziel dahinterstand.Nicht richtig hingegen finde ich,daß auch mißbrauchte Wörter wie Ehre oder Treue für alle Zeit verpönt sein sollen.Worte sind nicht gut oder schlecht ,dazu macht sie nur der jeweilige Gebrauch,doch das nur am Rande.Ich kann mir eigentlich immer noch nicht vorstellen wer so dumm ist,heute noch antisemitische Aktionen zu setzen.Man kann doch nicht an der restlichen Intelligenz die dem Land verblieben ist auch noch Anstand nehmen,zugewandert ist uns jedenfalls kaum welche.

    • mariahilfersynagoge Says:

      Danke für die Unterstützung der Initiative und Ihre Gedanken und Überlegungen.

      Ja, Worte an sich sind nie gut oder schlecht. Erst der Zusammenhang in dem Sie gebraucht werden, entscheidet über ihren „Charakter“. So war nun einmal der Wahlspruch der Schutzstafel (SS) „Meine Ehre heißt Treue“. „Treue“ wie sie die SS verstand bezog sich ausschließlich auf die Person Adolf Hitlers und schloß ein jegliches Verbrechen im Namen des „Führers“ ein. Wer nicht treu zum „Führer stand, ging seiner Ehre verlustig.

      Wer Solidarität nie erlebt hat, mit ökonomischen Problemen konfrontiert und von Zukunftsängsten geplagt wird, der Geschichte nur mangelhaft oder sogar tendenziös vermittelt bekommen hat, der verfängt sich nur zu leicht in den scheinbar so einfachen und wirksamen Lösungen eines Rechtspopulismus bis hin zu nationalsozialistischen Gedanken.

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