72 Jahre und jetzt muß eine Ruhe sein

Rückblick auf die Gedenkfeier am 10. November 2010

Zahlreiche BesucherInnen waren bereits einige Minuten vor Beginn der Veranstaltung vor dem PensionistInnenwohnhaus eingetroffen. Unter den fast fünfzig Anwesenden befanden sich erfreulich viele junge BesucherInnen. Auf Wunsch einiger älterer TeilnehmerInnen, der novemberlichen Abendkühle zu entgehen und sich setzen zu können, wurden wir von der Direktorin des Hauses, Frau Evangelisti, eingeladen, die Veranstaltung im Foyer des Hauses zu gestalten.

Frau Bezirksrätin Zoumboulakis-Rottenberg überbrachte Grüße von Frau Bezirksvorsteherin Renate Kaufmann. Georg Schober sprach einleitende Worte des Gedenkens. Er erinnerte an die Ereignisse vor 72 Jahren und nahm Bezug auf die Lebenssituation der heutigen MigrantInnen.

Im Mittelpunkt des Abends standen zwei Zeitzeuginnen. Frau Luise Buismann, deren Mutter es noch rechtzeitig gelang, mit ihrer Tochter, sie war damals noch ein Baby, nach Großbritannien zu emigrieren. Frau Buismann vermittelte ein lebendiges Bild der schwierigen Lebensbedingungen als Flüchtling in London und der Auswirkungen des Bombenkrieges.

Frau Freiberger, sie hatte sich kurzfristig vor Ort entschlossen als Zeitzeugin zu sprechen, ließ durch ihren Bericht über die Arisierung des väterlichen Geschäftes, es befand sich gleich neben der Mariahilfer Synagoge, ein anschauliches und zugleich bedrückendes Bild vom Wien im Jahr 1938 entstehen.

Den Abschluß bildete eine kurze Lesung. Michael Karjalainen-Dräger las das Gedicht „Wer läutet draußen an der Tür“ von Theodor Kramer, RenéKorotin trug zwei Gedichte von Erich Fried vor („Beruhigung“ und „Die Übriggebliebenen“ und Richard Weihs brachte einen Text aus eigener Feder – „Ein Monument für Fritz Grünbaum“ – dem Publikum zu Gehör.

Danach konnten die BesucherInnen noch einen Blick ins Internet auf die virtuelle Rekonstruktion der Mariahilfer Synagoge werfen – Reinhard Schuhmann stellt die technische Ausrüstung zur Verfügung.

Ein Besucher der Veranstaltung charakterisiert den Abend folgendermaßen: „Eine sehr würdige Veranstaltung, die vor allem durch die eindrücklichen Berichte der beiden Zeitzeuginnen und die gut ausgewählten Texte geprägt war. Schön auch, dass zahlreiche Besucher gekommen sind. Für mich ein Auftakt zur Aufarbeitung der Geschichte des Nationalsozialismus in Mariahilf. Ich hoffe auf rege Beteiligung der Schulen im Rahmen des Sach- bzw. Geschichteunterrichts bzw. durch Projektarbeit.“

72 Jahre nach den Novemberpogromen zeigen: Es kann und darf keine Ruhe sein was Erinnern und Aufarbeiten betrifft.

Der Abend, der vor allem dem Gedenken an die Opfer der Novemberpogrome gewidmet war, versteht sich gleichzeitig als eine Einladung zum gemeinsamen Handeln.

Wir freuen uns auf Deine / Ihre Unterstützung der Initiative!

Fotos: P. Öllinger, Foto Nummer 5 – F. Pelda

Einleitende Worte zur Gedenkfeier von Georg Schober

Die Initiative „Mariahilfer Synagoge – Für einen würdigen Ort des Gedenkens“ auf Facebook

Virtuelle Rekonstruktion der Synagoge in der Schmalzhofgasse („Schmalzhoftempel“)

Viele ergänzende Infos bzw. weiterführende Links in den beiden Beiträgen „Novemberpogrome“ und „Die Novemberpogrome 1938“ im Literaturblog „Duftender Doppelpunkt“.

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4 Antworten to “72 Jahre und jetzt muß eine Ruhe sein”

  1. Elisabeth Zoumboulakis-Rottenberg Says:

    Danke für die Organisation dieses Abends.
    Bei der nächsten Veranstaltung wäre es vielleicht angebracht auch eine/n VertreterIn der Israelitischen Kultusgemeinde einzuladen, da es sich ja um eine religiöse Stätte gehandelt hat.
    Bitte stellen Sie auch den Link zu unserem Gedenkprojekt „Erinnern für die Zukunft“ auf die Homepage. Die über 800 Gedenkobjekte sind im 6. Bezirk an und vor den Häusern angebracht, aus denen Menschen deportiert und ermordet worden sind. Falls es gewünscht wird, stelle ich mich gern für eine kurze Führung im Bezirk zur Verfügung.

    • "Mariahilfer Synagoge - Für einen würdigen Ort des Gedenkens" Says:

      Herr Mag. Fastenbauer – Generalsekretär der Israelitische Kultusgemeinde für jüdische Angelegenheiten – wurde von der Initiative „Mariahilfer Synagoge“ mit der Bitte um einen Beitrag eingeladen.
      Herr Mag. Fastenbauer hatte jedoch an diesem Abend bereits andere Verpflichtungen.

      Den Hinweis auf das Projekt „Erinnern für die Zukunft“ stellt die Initiative gerne auf die Homepage.

      Fein wäre, wenn auch auf der Seite von „Erinnern für die Zukunft“ auf die „Mariahilfer Synagoge“ verlinkt wird.

      PS: Was das Anbegebrachtsein von Einladungen betrifft: Schade, dass es verabsäumt wurde, die Menschen von „Mariahilfer Synagoge – Für einen würdigen Ort des Gedenkens“ einzuladen, als die Gedenktafel installiert wurde …

  2. Georg Schober Says:

    leider ist das medienecho anläßlich des gedenkens an die novemberpogrome 1938 heuer in österreich recht bescheiden geblieben.
    war ja auch kein „runder“ gedenktag. warten wir daher geduldig auf das jahr 2018, besser noch 2038. 😉
    eine vernetzung der einzelnen initiativen und eine gemeinsame information mit möglichst allen veranstaltungsterminen um den 9. / 10. November halte ich für eine sehr feine idee.

  3. Dietlinde Says:

    Schade, dass ich diesmal nicht dabei sein konnte- nächstes Jahr klappt’s hoffentlich! Fein, dass die Veranstaltung gutbesucht war und gut auch der Link wegen Mödling. Schön wäre eine gesammelte Info, wann wo eine Gedenkfeier zu den Pogromen ist. In Liesing war wahrscheinlich auch eine, aber ich bekomme keine Bezirkszeitung und habe nichts erfahren.

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